- Medifox DAN, Vivendi und opta data kosten in der Praxis 150–300 € pro Klient:in und Monat, sobald alle Module aktiv sind.
- Echte KI-Pflegedokumentation und native TI/KIM-Anbindung bietet aktuell kein etablierter Anbieter durchgängig.
- Migrationskosten und Datenexport-Beschränkungen sind die größten versteckten Posten beim Anbieterwechsel.
- Open-Source-Alternativen wie vocare drehen das Geschäftsmodell um: Software kostenlos, Geld nur über Marktplatz und Factoring.
Pflegesoftware-Markt 2026: Wer dominiert?
Der Markt für Pflegesoftware in Deutschland wird seit Jahren von drei Anbietern dominiert: Medifox DAN, Connext Vivendi und opta data. Zusammen versorgen sie rund 70 % aller ambulanten und stationären Pflegedienste in Deutschland mit Software für Dokumentation, Tourenplanung, Dienstplanung und Abrechnung.
2026 ist die Lage anders als noch vor drei Jahren. Pflegedienste fragen nicht mehr „welche Software dokumentiert am besten?“, sondern: Welche Software hilft mir, mit 30 % weniger Verwaltung weiterhin profitabel zu bleiben? Die Antworten der etablierten Anbieter unterscheiden sich – und die Open-Source-Bewegung im Pflegemarkt verändert die Spielregeln gerade.
Dieser Artikel vergleicht die drei großen Anbieter und ordnet ein, was Open-Source-Alternativen wie vocare daran ändern. Wir konzentrieren uns auf ambulante Pflegedienste, weil dort der Veränderungsdruck am höchsten ist.
Medifox DAN: Funktionen, Stärken, Schwächen
Medifox DAN ist Marktführer und entstand aus dem Zusammenschluss von Medifox und DAN Produkte in 2020. Die Suite deckt ambulante Pflege (MD ambulant), stationäre Pflege (CareCenter) und Tagespflege ab. Stärke: Breite. Schwäche: gewachsene Architektur, viele Insellösungen, hoher Lizenzpreis.
Stärken
- Sehr breite Modul-Abdeckung: Dokumentation, Tour, Dienstplan, Abrechnung, Controlling, Personalakte.
- Stabile Schnittstellen zu DATEV, BFS Sozialfactoring und Pflegekassen.
- Großes Schulungsangebot mit zertifizierten Trainer:innen.
Schwächen
- Pro-Klient:in-Lizenzmodell skaliert die Kosten mit dem Wachstum mit – häufig 150–250 € pro Klient:in und Monat im Vollausbau.
- Mobile App und Doku-Oberfläche wirken im Vergleich zu modernen Webanwendungen träge.
- KI-Dokumentation befindet sich Anfang 2026 noch in der Pilotphase, ist nicht durchgängig produktiv.
- Migration zu anderen Anbietern ist umständlich; Datenexport teilweise nur über kostenpflichtige Services.
Vivendi NG: Was kann der Allrounder?
Connext Vivendi ist die zweite große Plattform mit Fokus auf Komplexträger und stationäre Einrichtungen. Vivendi NG ist die jüngere, webbasierte Version. Vivendi punktet bei mandantenfähigen Strukturen und in der Eingliederungshilfe – also überall dort, wo eine Einrichtung viele unterschiedliche Leistungstypen erbringt.
Stärken
- Mandantenfähigkeit ist out of the box exzellent gelöst – wichtig für Träger mit mehreren Standorten.
- Stationäre Pflege, Eingliederungshilfe und Tagespflege aus einer Datenbasis.
- Solide Controlling-Werkzeuge mit Pflegegrad-Mix, Auslastung und Liquidität in Echtzeit.
Schwächen
- Für reine ambulante Pflegedienste oft überdimensioniert – und entsprechend teuer.
- TI/KIM-Integration funktioniert, ist aber häufig über Drittanbieter realisiert (Mehrkosten).
- Lange Implementierungs- und Onboarding-Zeiten (oft 3–6 Monate).
opta data: Mehr Abrechnung als Pflegesoftware
opta data kommt aus der Abrechnung. Das Unternehmen ist Marktführer für Heil- und Hilfsmittel-Abrechnung in Deutschland und bietet mit opta data ONE eine Pflegesoftware-Plattform an. Die Stärke ist die Abrechnungstiefe; die Software-Seite hat in den letzten Jahren aufgeholt.
Stärken
- Beste Abrechnung im Markt – inklusive Forderungsmanagement und BFS-Factoring out of the box.
- Sehr enge Verzahnung mit Krankenkassen-Datenträgern (DTA Pflege).
- Cloud-First-Architektur, weniger Legacy als Medifox.
Schwächen
- Doku und Tour sind solide, aber nicht führend – KI-Funktionen sind 2026 erst angekündigt.
- Pflegebox-/§-40-Modul fehlt; muss extern eingekauft werden.
- Lizenz-Modell ist mit Mindestlaufzeiten verbunden, was kleine Dienste blockiert.
Pflegesoftware Preise im Vergleich (echte Zahlen)
Die offiziellen Preislisten der großen Anbieter sind kaum öffentlich. In der Praxis – auf Basis von Angeboten und Erfahrungswerten aus über 80 Pflegediensten, mit denen wir bei vocare gesprochen haben – ergibt sich folgendes Bild für einen mittleren ambulanten Pflegedienst mit 80 Klient:innen und 25 Mitarbeitenden im Vollausbau:
| Anbieter | Pro Klient:in / Monat | Setup einmalig | Mindestlaufzeit |
|---|---|---|---|
| Medifox DAN | 150–250 € | 3.000–8.000 € | 24 Monate |
| Vivendi NG | 180–280 € | 5.000–15.000 € | 24–36 Monate |
| opta data ONE | 120–220 € | 1.500–6.000 € | 12–24 Monate |
| vocare (Standard) | 0 € | 0 € | Keine |
TI-Konnektor, KIM-Postfach, mobile Geräte-Lizenzen, zusätzliche Mandanten, Schulung und Anpassungen kommen bei allen Anbietern oben drauf. Realistisch sind 20–30 % über dem Listenpreis.
KI in der Pflegedoku: Wer liefert wirklich?
KI in der Pflegedokumentation ist 2026 das große Thema. Die Versprechen sind hoch (50 % weniger Doku-Zeit), die produktive Realität ist noch durchwachsen. Hier ein nüchterner Stand:
- Medifox DAN: KI-Doku-Pilot läuft seit 2024 in ausgewählten Häusern, allgemeine Verfügbarkeit für 2026 angekündigt.
- Vivendi: Sprache-zu-Text ist vorhanden, echte KI-gestützte SIS und Maßnahmenpläne sind in Entwicklung.
- opta data: Kooperationen mit KI-Anbietern angekündigt, eigene Modelle noch nicht produktiv.
- vocare: KI-Doku ist Pflichtmodul – Vorschläge für SIS, Berichte und Maßnahmenpläne aus Spracheingabe und Tournotizen, mit Konsistenz-Check vor Versand. Mehr dazu in unserem Artikel zur KI-Pflegedokumentation.
TI/KIM-Anbindung: Reifegrad der Anbieter
Mit der gematik-Verpflichtung zur Telematikinfrastruktur (TI) und dem Kommunikationsdienst KIM wird der sichere Nachrichtenaustausch mit Ärzt:innen, Krankenkassen und Apotheken Pflicht. Pflegedienste haben hier oft Nachholbedarf.
- Medifox DAN: TI-Anbindung über zertifizierten Konnektor-Partner, KIM-Postfach separat.
- Vivendi: Vergleichbar, häufig in Drittanbieter-Lösung verpackt.
- opta data: TI über Partner, KIM in die Abrechnungsplattform integriert.
- vocare: TI/KIM nativ integriert, ohne Aufpreis. Siehe unser TI/KIM-Praxisleitfaden.
Die Open-Source-Alternative: vocare im Vergleich
vocare dreht das klassische Geschäftsmodell um. Statt Lizenzgebühren pro Klient:in zahlen inhabergeführte Pflegedienste nichts. Die Plattform finanziert sich aus drei anderen Quellen: Enterprise-Funktionen für Konzerne, Marktplatz-Margen über Pflegehilfsmittel und Factoring-Partnerschaften. Der gesamte Quellcode steht unter MIT-Lizenz auf GitHub – Pflegedienste können selbst hosten, prüfen, erweitern.
| Kriterium | Medifox / Vivendi / opta data | vocare |
|---|---|---|
| Lizenzkosten Standard | 150–300 € / Klient:in / Monat | 0 € |
| KI-Pflegedoku produktiv | Pilot / angekündigt | Ja |
| TI/KIM nativ | Über Drittanbieter | Ja, integriert |
| Marktplatz für § 40 SGB XI | Nein | Ja (care1) |
| BFS-Factoring integriert | Teilweise | Ja |
| Open Source | Nein | MIT-Lizenz |
| Vendor-Lock-in | Hoch | Keiner – freier Export |
Fazit: Welche Pflegesoftware passt zu wem?
Es gibt keine pauschal beste Pflegesoftware. Es gibt nur die richtige Software für Ihre Situation. Unsere Faustregeln nach Gesprächen mit über 80 Pflegediensten:
- Sie sind Konzern mit komplexer Mandantenstruktur: Vivendi NG hat hier einen Vorsprung.
- Sie wollen Stabilität und ein etabliertes Schulungsökosystem: Medifox DAN ist sicher.
- Sie sehen Abrechnung als Engpass: opta data ONE ist nahe an der Kasse.
- Sie sind inhabergeführter Pflegedienst und wollen 2.000–10.000 € pro Monat sparen: Schauen Sie sich vocare an. Die Software ist dauerhaft kostenlos, Open Source und kommt mit KI-Doku, TI/KIM und Marktplatz aus einer Hand.
Wenn Sie aktiv über einen Wechsel nachdenken: Buchen Sie eine 30-Minuten-Demo. Wir zeigen Ihnen ehrlich, wo vocare schon stark ist – und wo nicht.
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30 Minuten Demo – wir zeigen Ihnen, wie vocare in Ihrer Tour, Doku und Abrechnung aussieht. Ehrlich, ohne Verkaufs-Pitch.
Rauno gründete vocare mit der Mission, Pflegediensten in Deutschland eine kostenlose, offene Software-Plattform zu geben. Vorher: 12 Jahre Erfahrung im Gesundheitswesen.